|
Von Artur Kirschke Durch ein Rundschreiben der Hamburger Konditoren-Innung wurden zum 17. Mai 1947 alle Meister und Gehilfen zu einer Gründungsversammlung in die Handwerkskammer Hamburg eingeladen. Diese Veranstaltung wurde dann von weit über 100 Kollegen besucht. Initiator war der Kollege Konditormeister Franz Heyland. Er war Mitglied des Hamburg-Altonaer Conditoren und Gehülfen Vereins von 1878 e.V. Aus diesem konservativen Verein hatte sich eine Konkurrenzgemeinschaft gebildet, der sogenannte "Mürbteig-Club". Alle derartigen Vereine wurden 1934 verboten. Mit Hilfe des amtierenden Obermeisters Richard Besch war es dem Kollegen Franz Heyland nun möglich, einen geschäftsführenden Vorstand zu bilden. In seinen einleitenden Worten vermerkte der Kollege Heyland als Ziele des zu gründenden Vereins die Pflege kollegialer Gemeinschaft, Fachvorträge und fachliche Gespräche, aber auch - sofern es unter den damaligen Umständen möglich war - die Ausrichtung von Fachkursen, z.B. Marzipan modellieren, Zuckerarbeiten oder das Herstellen von Pralinen. Unter diesen Gesichtspunkten stimmten alle Anwesenden einer Wiedergründung des Vereins zu. Die Verantwortlichen waren Franz Heyland als I. Vorsitzender und Rudolf Daube als 2. Vorsitzender. Mit diesem Wahlergebnis sowie dem neuen Titel "Hamburg-Altonaer Konditoren-Gehilfen-Verein von 1878 e. V. " erfolgte dann unter Beteiligung eines Notars die Eintragung in das amtliche Vereinsregister. Es wurde vereinbart, zweimal im Monat eine Vereinsversammlung stattfinden zu lassen, die Vorstandswahlen wurden bis zum Jahre 1964 jährlich durchgeführt. Bis zum Ende der 50 'er-Jahre wuchs die Zahl der Mitglieder auf ca. 300 Personen an, von denen ein großer Teil noch aus der Zeit vor 1934 stammte. Und gerade mit deren Hilfe, d.h. mit der Erinnerung an schriftliche Unterlagen bzw. durch alte Photos konnte das neue Vereinsleben aufgebaut werden. Die hohe Mitgliederzahl ergab sich nicht zuletzt durch die Arbeitsplatzsuche in der Nachkriegszeit. So war ein Kollege einmal in der Woche damit beschäftigt, entsprechende Angebote zu vermitteln. Erfolgreiche Veranstaltungen waren die Maskeraden der süßen Kunst, die Schinkentouren am Vatertag und die Herrenabende im Oktober. Einen Höhepunkt stellten die Weihnachtsfeiern dar, wenn für die vielen Kinder der Weihnachtsmann mit seinen Geschenken kam, wobei Eltern und Begleitpersonen an einer festlichen Kaffeetafel saßen und sich an den leuchtenden Augen der "Lütten" erfreuten. Allerdings reduzierte sich die Mitgliederzahl infolge des eintretenden Strukturwandels in den folgenden Jahren z.B. dadurch, dass Kollegen den Beruf wechselten oder in der Lage waren, sich selbständig zu machen - aber auch das Fernsehen trug dazu bei, das Interesse zu verringern, was wiederum den Vorstand dazu veranlasste, die Versammlungen auf einmal pro Monat zu begrenzen. Aus der großen Weihnachtsfeier wurde, da die Kinder fehlten, die "Stille Stunde" und Maskeraden konnten aufgrund mangelnder Beteiligung nicht mehr stattfinden. Auch die Herrentour musste eingestellt werden, allerdings aus einem erfreulichen Grund: Vermehrt traten nämlich Konditorinnen dem Verein bei, so dass in der Folge aus besagter Herrentour ein Familienausflug geworden ist und ebenso ein jährlich wiederkehrendes Grünkohl- bzw. Eisbeinessen stattfindet, nicht zu vergessen die gemeinsamen Kegelabende. Mittlerweile ist ein Mitgliederzuwachs festzustellen - ja, sogar der Weihnachtsmann musste wieder aktiviert werden. Einen hohen Stellenwert haben in der heutigen Zeit die vom CGV veranstalteten Fachkurse, um die unter Wettbewerbsdruck stehenden Betriebe zu unterstützen.Und in diesem Zusammenhang ist es auch bedeutsam, dass der Fachverein seit geraumer Zeit einen praxisorientierten Meisterkurs durchführt. Fazit : Mit wenigen Worten wurde die Vereinsgeschichte von 1947 bis heute nachgezeichnet. Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auf die umfangreiche Chronik, die von unserem Kollegen Karlheinz Kelk erstellt wurde. Zusammengefasst hat der CGV im Jahre seiner 50 jährigen Wiedergründung durchaus Veranlassung, optimistisch in die Zukunft zu blicken als ein Verein, dessen Selbstverständnis darauf beruht, sich mit dem kraftvollen Engagement des Ehrenamtes in den Dienst des Konditorenstandes zu stellen - und das täglich neu! |